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Erkenntnis ist das Gesamtergebnis der Bewußtseinstätigkeit des Menschen, insoweit wir durch diese Tätigkeit zu der Wirklichkeit in fester Beziehung stehen. Der zusammengesetzte Vorgang des Erkennens hat, in seine wichtigsten Stadien zusammengefaßt, folgende Stufen: durch Nervenreize entsteht die Empfindung, welche durch die ihr zugewendete Aufmerksamkeit zur Wahrnehmung wird. Von den Wahrnehmungen bleiben im Geiste Bilder zurück, die Vorstellungen. Zur Erkenntnis werden die Vorstellungen, indem unser Geist die Übereinstimmung zwischen Vorstellungen und vorgestellten Gegenständen herausfindet und in einem Urteil ausspricht. Die einzelnen Vorstellungen verschmelzen miteinander, werden zu Begriffen gestaltet, indem sie in ihre Merkmale zerlegt und nach den wichtigsten neu zusammengefaßt und in neuen Urteilen vereinigt werden; so wird allmählich ein Zusammenhang und eine Ordnung des gesamten Bewußtseinsinhalts hergestellt, die uns mit der Wirklichkeit in sichere Verbindung setzen. Die Mittel, die unser Geist bei dieser Arbeit verwendet, sind mannigfach. Er ergänzt die Wahrnehmungen beständig, erneuert die Vorstellungen und gestaltet die Bewußtseinsmasse gemäß den Denkgesetzen. Er schafft sich ordnende Kategorien, wie die der Zahl, der Substantialität, der Kausalität und des Zweckes. Daraus bildet er Schlüsse, und vermittelst ihrer beweist er die Wahrheit oder Unwahrheit eines Urteils auf deduktivem oder induktivem Wege. Er bedient sich vor allem des Hilfsmittels der Zeichen und der Sprache. Das Resultat aller dieser Tätigkeit ist nicht, daß sich die Wirklichkeit in uns abspiegelt. Der Bewußtseinsinhalt ist nicht die Wirklichkeit selbst; sondern er ist ein seinen eigenen Gesetzen unterworfenes Gebilde; aber unsere Erkenntnis bezieht sich auf die Wirklichkeit, und das feste Band zwischen beiden ist in der Empfindung und Wahrnehmung gegeben, auf deren Boden die ganze menschliche Erkenntnis fußt. Es ist eine Hauptaufgabe der Philosophie, der sie sich namentlich seit Locke (1632 bis 1704) und Kant (1724-1804) unterzogen hat, Ursprung, Gesetze, Grenzen und Wesen der menschlichen Erkenntnis zu untersuchen.[1]

EinzelnachweisBearbeiten

  1. Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 1907, S. 187-188.

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