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Wenn ein Essay - welches übersetzt - ein Versuch sein soll, einen Text in knapper anspruchsvoller Form zu einem künstlerischen oder wissenschaftlichen Thema zu formulieren, dann sollte auf eine zu breite Darstellung definierender und lexikographischer Elemente zu Gunsten von eigenen Überlegungen verzichtet werden. Das Essay gruppiert sich als literarische Zweckform in die Nähe der wissenschaftlichen Abhandlung, des Traktates oder dem Feuilleton ein. Es unterscheidet sich jedoch durch sein höheres Maß an Subjektivität, thematischer Vielfalt und Freiheit in der Wahl seiner stilistischen und formalen Mittel. Der Autor will neue Perspektiven eröffnen und Denkanstöße geben. So sind die Gedanken im Essay zwar klar in Gedankenführung und Argumentation, doch dies eher in lockerer assoziativer Anordnung, die auch Abschweifungen oder Perspektivenwechsel zuläßt. Da es sich aber um eine literarische Gattung handelt, die beim Leser ein – ja, darf man das heute noch so sagen – Bildungserlebnis hinterläßt, sollte das Essay stilistisch niveauvoll und ausgereift sein. Fachausdrücke und elegante Formulierungen tragen somit zur Qualität des Textes bei. Interessant wird es durch pointierte Thesen und Fragestellungen. In diesem Sinne soll zuerst einmal etwas provozierend die Ideologieträchtigkeit jeder solchen Darstellung behauptet werden. Immer ist es Weltanschauung, die von der umgebenden Gruppe oder der Nation oder Religion geprägt wird. Allerdings kann es hier zum Widerspruch kommen, wenn die Anhänger eines Gedankensystems es ablehnen, ihre Lehre als Ideologie bezeichnen zu lassen. Bereits bei diesem Thema kommt man zur Zerrissenheit in den Wertvorstellungen der vom Autor überblickten Welt. Wer über Ideologie reflektiert, kann über Interessen nicht schweigen. Doch hier kommen die eigentlichen Zeitprobleme hervor, was ist denn überhaupt noch offen formulierbar? Der Schreiber eines Essays wird selten Lob ernten - es sei denn - er schreibt für seine geschlossene Anhängerschaft. Schon entsteht die Frage nach dem Warum des Schreibens eines solchen Essays. Geht es hier um Bildung, die das intellektuelle Niveau der engeren Region oder sogar der Weltbevölkerung soweit heben soll, daß über Organisation, Produktion und Konsum mehr Wohlstand erzeugt wird? Meist wird eher eine Situation der Konkurrenz wahrgenommen, aus der heraus man der eigenen Seite einen Wissensvorsprung oder einen Sieg in den Medien verschaffen will. Für mich stellt es eine Möglichkeit dar, die Brücke zwischen isoliertem Individuum und Massengesellschaft zu schlagen. Der Mensch als Individuum in egoistischer Spaßgesellschaft wird als nur begrenzt lebensfähig wahrgenommen. Wer dem engen Leben mit kleinem Horizont zustimmt, willigt bereits ein, daß andere informelle oder auch institutionelle Mächte über ihn herrschen. So ist es vornehme Aufgabe schriftstellerischer Tätigkeit, Themen für die Gesamtheit der Spezies zu erörtern.

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